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Experte über marode Infrastruktur »Die Pflege von Brücken ist vergleichbar mit dem Zähneputzen«

Jul 11, 2026 IDOPRESS

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Abriss von maroder Brücke in Berlin: Megakosten oft vermeidbar

Foto: Christoph Soeder / dpa

Deutschland kümmert sich nach Ansicht von Wissenschaftlern zu wenig um die Instandhaltung von Brücken. »Die Pflege von Brücken ist vergleichbar mit dem Zähneputzen: Wenn ich einen Tag meine Zähne nicht putze,ist das nicht so schlimm«,sagte Steffen Marx von der Technischen Universität Dresden. Eine Brücke halte es gut aus,wenn sie ein Jahr lang nicht gepflegt werde. »Wenn ich mich aber 30 Jahre lang nicht um die Instandhaltung kümmere – wie in Deutschland geschehen – dann beschleunigt sich der Schadensfortschritt.«

Verglichen mit den Kosten für die Pflege müsse man das Vielfache investieren,um eine Brücke zu reparieren oder neu zu bauen,sagte Marx,Direktor am Institut für Massivbau der TU. Ein defekter Abfluss zum Beispiel sei leicht auszubessern. Passiere das aber nicht,durchfeuchte die Brücke,der Stahl roste,und es werde viel aufwendiger und teurer,den Schaden zu beseitigen.

Meist erfolgt eine Vollsperrung dann plötzlich,weil erhebliche Schäden entdeckt werden und Experten Einsturzgefahr bescheinigen. Fahrbahn,Fuß- und Radwege der Bonner Nordbrücke dürfen beispielsweise seit Anfang Juni nicht mehr genutzt werden. 2025 traf es die Ringbahnbrücke in Berlin,2024 die Elbbrücke in Bad Schandau,2021 die Rahmede-Talbrücke im Sauerland. Mit der Carolabrücke stürzte vor etwa zwei Jahren gar eine Brücke im laufenden Betrieb ein.

»Build an forget«-Strategie beim Brückenbau

»Der Zustand vieler vielbefahrener Brücken in Deutschland ist kritisch«,sagte Martin Claßen von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Das gelte insbesondere im Autobahnnetz. »Die aktuelle Situation ist kein plötzliches Problem,sondern das Ergebnis einer langfristigen Entwicklung.«

Viele Brücken wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut und sind auf eine Nutzungsdauer von 80 Jahren ausgelegt worden. Allein rund die Hälfte aller gut 28.000 Autobahnbrücken hierzulande stammt aus der Zeit zwischen den Sechziger- und Achtzigerjahren. Oft seien diese Brücken nur für eine andere Belastung geplant gewesen,sagt Forscher Marx. »Wir haben heute viel mehr Schwerlastverkehr und Verkehr insgesamt als in der Zeit,zu der viele Brücken geplant und gebaut wurden.«

Danach sei auf eine Erhaltungsstrategie gesetzt worden,die man »build and forget« (»bau es und vergiss es«) nennen könne,meinte Marx. »Die Brücken werden gebaut,aber dann nicht gepflegt.« Es fänden lediglich die gesetzlich vorgeschriebenen Inspektionen alle sechs Jahre statt. »Deshalb kommt nun eine große Welle von Brücken in schlechtem Zustand auf uns zu.«

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Für die Sanierung von Infrastruktur wie Brücken nimmt die Regierung Rekordschulden auf. Aber kommt das Geld auch an? Und fließt es überhaupt in die richtigen Projekte? Lesen Sie dazu hier den SPIEGEL-Report über das Sondervermögen: So versickert das Geld aus dem 500-Milliarden-Topf.

apr/dpa